Rückblick: GRU – Der geheimste Militärgeheimdienst der Welt

Die GRU ist einer der ältesten und aktivsten Geheimdienste der Welt. Dennoch ist der russische Militärnachrichtendienst oft nur Insidern ein Begriff. Auch in der westlichen Forschung fand die GRU bisher kaum Beachtung. Eine neue Publikation soll das ändern, am 13. Februar 2025 stellte der Autor das Werk im Deutschen Spionagemuseum vor.

Dem Mysterium GRU auf der Spur

Seit vielen Jahren bereits setzt sich der Historiker Matthias Uhl mit der sowjetischen Militär- und Sicherheitspolitik auseinander. Seine neue Publikation GRU: Die unbekannte Geschichte des sowjetisch-russischen Militärgeheimdienstes von 1918 bis heute ist die erste vollständige historische Aufarbeitung der GRU.

Bis heute gibt es im Westen kaum gesicherte Informationen über die GRU, vor allem, weil bis in die Gegenwart kaum ein Dokument aus den Archiven der GRU zugänglich ist. Auch Uhl muss gleich zu Beginn der Veranstaltung relativieren: Er selbst war nicht im legendären GRU-Archiv und er kenne auch niemanden, der dort war.

Gab Einblicke in die Arbeit der GRU: der Historiker Matthias Uhl (rechts)

Aber jede große Organisation hinterlasse Spuren. Diese seien zwar stark zerstreut, ließen sich aber durchaus finden, zum Beispiel im russischen Staatsarchiv, dem Militärarchiv und anderen Archiven. Bei der Recherche ergebe eine Spur oft die nächste – je tiefer man einsteige, desto mehr Material kam zutage, so Uhl. Am Ende sei es sogar mehr gewesen als gedacht, alles habe er nicht veröffentlichen können.

Westliche Forschungslücke zur GRU schließen

Auch westliche Quellen sind in die Publikation eingeflossen, etwa aus dem Nato-Archiv und dem Bundesarchiv. Deren Relevanz hielt sich aber in Grenzen. Laut Uhl war die Tatsache, dass Primärquellen zur GRU in der Forschungsliteratur Deutschlands und Westeuropas bisher kaum zur Kenntnis genommen worden seien, eine wichtige Motivation zum Verfassen des Buches.

Generell schätze er die GRU als „extrem unterforscht“ ein, trotz der aktuellen Relevanz. Zahlreiche westliche Wissenschaftler würden zum KGB forschen, während die GRU in dieser Hinsicht eher ein stiefmütterliches Dasein führe. Im Grunde gäbe es so gut wie keine tiefgreifende westliche Literatur zu dem Geheimdienst, höchstens zu einigen einzelnen historisch bedeutsamen Agenten wie Oleg Penkowski.

Das Hauptproblem bei Agenten sei aber: man kenne nur die gescheiterten Fälle. Top-Agenten gingen nicht in die Geschichte ein, sondern blieben geheim. Und Biografien solcher wichtigen, aber oft unbekannten Agenten stellt das Buch aus der langen Geschichte des GRU vor.

Sternstunde der GRU: Agent Murat

Als Beispiel eines Topspions der GRU schilderte Uhl das Schicksal des Agenten mit dem Decknamen „Murat“. Der französische Offizier lieferte der Moskau Hunderte streng geheime Unterlagen aus dem NATO-Hauptquartier. Mit diesen Informationen kam die GRU an wertvolle Details zu Waffenstärke und Angriffsplänen des Westens. Moskau wusste so um das gewaltige Zerstörungspotenzial der NATO. Diese Erkenntnisse hatten Anteil daran, dass Chruschtschow sich in Berlin- und Kubakrise für eine friedliche Lösung entscheid, statt den Konflikt eskalieren zu lassen.

Gut besucht: Veranstaltungsraum im Deutschen Spionagemuseum

Uhls Publikation verbleibt nicht bei der reinen Schilderung der Ereignisse um die Topspione der GRU, sondern spürt auch deren Motiven nach. Bei Agent Murat war dies beispielsweise eine Mischung aus Ideologie, Geldgier und Eitelkeit. Gezielt nutzen die Agentenführer der GRU das Bedürfnis des Agenten nach Anerkennung und versorgten ihn neben regelmäßigen Geldzahlungen auch mit Lob und Bewunderung.

Gerade die Mischung aus fundierter Aktenrecherche und dem Analysieren auch der menschlichen Aspekte der einzelnen Agentenbiografien macht Uhls Publikation ebenso kenntnisreich wie unterhaltsam. Das Buch richtet sich nicht nur an Geheimdienst-Experten, sondern durch seine gute Lesbarkeit und Verständlichkeit an eine breite Leserschaft.


Autor: Florian Schimikowski

Veröffentlicht am: 27.02.2025